Sonntag, 23. September 2012

Alles erledigt?

... das hat ja schon immerhin zwei mal funktioniert mit dem Freitagseinkauf. Spart Zeit, spart Geld. Wunderbar. What's next? Der Sonntag abend war früher bei meiner Mama immer heilig. Bis um 20.15 h musste alles erledigt sein und ich mindestens bettfertig wenn nicht gar drin. Ein Gläschen Wein, ein paar Leckerchen und ein neuer Tatort. Den Tatort schaff ich meistens, aber alles erledigt? Danach siehts eher nicht aus. Stellt sich auch die Frage, was heißt "alles erledigt" ? Den Zustand "alles erledigt" kenne ich schon ziemlich lange nicht mehr. Etwa zuletzt, als ich mit meiner Tochter vor 19 Jahren schwanger war. Da hat man freitags nachmittags geputzt, eingekauft und war im Grunde "fertig" bis zum nächsten Freitag. Dass das durch ist hab ich ja schnell kapiert. Aber so langsam sind die Kids groß und ich würde gerne wieder einen abgespeckten "alles erledigt" Zustand definieren. 

  • Küche ordentlich, Geschirrspüler entweder laufend oder ausgeräumt
  • Tasche entrümpelt und für Montag gepackt
  • Allen Müll rausgebracht
  • Brot für Frühstück aufgetaut
  • Wäsche gewaschen und getrocknet, im besten Fall im Schrank
  • Anwesende Kinder dazu gezwungen, auch ihre Taschen zu packen!
  • durchgesaugt
  • Wohnzimmer ordentlich
  • Holz für Ofen reingeholt
Wäre also ein weiterer Fixpunkt (2) in meiner Woche. 

Heute abend direkt testen!

LG Nicole

Donnerstag, 20. September 2012

Bloggen als Selbsthilfe

Was bringt einen dazu, 5 Blogs im Internet zu verschiedenen Themen zu füllen? Wem hilft dieser online-Exhibitionismus? Vermutlich erst mal mir, muss ich gestehen. Ich hab mich letzte Woche gefühlt wie gespucktes Appelkompott und meist wirds besser, wenn ich mir den Kram von der Seele schreibe. Mir fehlt Struktur. Mein Leben ist bedingt durch meinen Beruf nicht so sehr gut planbar, aber das ist ja nun auch keine Ausrede für alles. Ich habe nicht vor, mein Leben komplett zu verplanen, aber ich habe auch nicht die Kraft, das Rad jeden Tag neu zu erfinden.  

Fixpunkt 1 ist nun - wie ich mir überlegt habe - der wöchentliche Einkauf. 
Mir ist aufgefallen, wie oft ich nur wegen Katzenfutter zum rewe MUSS. Ich habe zwei Katzen. Es ist absehbar, dass die ab und zu was essen und wollen und auch vermutlich nicht heute oder morgen damit aufhören. Was also spricht dagegen, Katzenfutter für mal mindestens eine Woche einzukaufen? Ich führe weiterhin eine Einkaufsliste in meinem Handy, wo ich anhaken kann, was über die Woche zur Neige geht. Klingt ganz einfach. Guter Zeitpunkt ist der Freitag. Und zwar bitte definitiv um 14.30 h . Im Zuge dessen eine kleine Razzia im Kühlschrank und alles direkt wegräumen. Ebenso die Getränke einkaufen. Und nicht mit 6 kleinen Fläschchen Apfelschorle den Laden verlassen - im sicheren Wissen, dass die am Sonntag abend bereits ausgetrunken sind. 

Also! Wohlan... versuchen wir das und arbeiten gedanklich am nächsten Fixpunkt. 

Samstag, 25. August 2012

Run and Roll for Help!

Is ja an sich ne gute Sache, so n Spendenlauf. Man zahlt 10 Euro, meldet sich an, läuft/geht 5 oder 10 km, hat bisschen Spaß, und tut was für n guten Zweck. So hat mir das meine Line-Dance-Kollegin Dagmar verkauft. Mhm. Alles klar. Bin zwar untrainiert, dennoch zäh und  für jeden Spaß zu haben. "Ok, meld mich an!" Die Truppe nennt sich wilde 60er-Mädels, ich bin zwar 1970 geboren, doch an so Kleinigkeiten wollen wir uns jetzt mal nicht festhalten. Der Lauf ist am Sonntag. Freitag und Samstag hab ich Geburtsvorbereitungskurs, so dass mir wenig Zeit bleibt, mich aufzuregen. Was mich etwas irritiert, sind die Schlagzeilen in Presse und Internet: SONNTAG, HEISSESTER TAG DES JAHRES. BIS ZU 38°. Meine Freundin attestiert mir Wahn-, Leicht- und Irrsinn. Mein Freund ist nah dran, es mir verbieten zu wollen. Ich denke kurz drüber nach und mein innerer Schweinehund schickt mir screenshots von Kübeln von Speiseeis und Pool-Bars. Nix da! Ich bin angemeldet und werde mitwalken. Zur Not wird es eben ein mehr oder weniger zügiger Spaziergang.
Wir sind da. Ich trage eine schwarze Radlerhose, ein pinkfarbenes Top und fast neue Sportschuhe von Deichmann. Die FILA-Angebotsware für € 39,95 solls wohl tun. Ich kenne mich. Anfängliche Begeisterung ist bei mir manchmal etwas überschiessend. Ich kaufe gern auch die sprichwörtliche Kuh, nur weil ich ein Glas Milch trinken möchte...
"Trink noch was!" sagt mein Freund und wir bestellen uns jeder ein alkoholfreies Weizen. Noch 35 Minuten bis zum Start.
Um uns rum tummeln sich Helfer, Zuschauer, Läufer und solche die sich dafür halten.
Ich trinke gierig. So eine Hitze aber auch. Verdammt, die Luft ist flirrend heiß und es geht kein Lüftchen.
"Geh noch mal pinkeln!" Guter Tipp. Ich drücke ein paar Tröpfchen raus... die Flüssigkeit wird ausgeschwitzt noch bevor sie in der Blase überhaupt ankommen kann.
Noch 25 Minuten bis zu Start. Es ist 15.05 h. Die sengende Hitze ist noch steigerungsfähig. Um viertel nach treff ich die anderen Mädels. Ich trinke noch einen Schluck, schnüre meine schicken Laufschühchen, stecke mein Handy mangels Hosentasche zwischen meine Brüste und BH und bekomme einen aufmunternden Klaps auf den Po. "Viel Erfolg! Übertreibs nicht!" Ich wackel ab... schon jetzt läuft mir die Brühe ...
Dagmar steht schon in gewohnt guter Laune mit den Startnummern am Treffpunkt. Ich bekomme die 506. WOW, meine erste Startnummer! Irgendwie krieg ich sie mit den vier Sicherheitsnadeln an meiner Vorderseite festgefummelt. Noch ein bisschen Smalltalk, und dann gehts schon gleich los. ...
Wir werden gebeten zu Start zu kommen. Aus dem Lautsprecher dröhnt 'The final Countdown' und irgendwo riecht es nach Bratwurst. 94 Walker haben sich angemeldet. Stehen da und scharren mit den Hufen. Nu los... keine langen Reden bitte, ich steh in der pralle Sonne und habe mich wegen möglichem Hitzestau gegen eine Kappe entschieden. Ich aktiviere meine Handy-Tracking-Software und möchte diese hoffentlich erfolgreiche Aktion bitte dokumentiert haben.
Er überzieht ein wenig mit seinen Sponsorenhuldigungen und es geht erst um 15.32 h los. 3-2-1-go!
Ich spanne meinen schwitzigen Körper an und los gehts. Mangels Erfahrung wie schnell ich das Ganze angehen sollte, halte ich mich an Dagmar als Pace-maker. Wir schwatzen noch ein wenig, allerdings merke ich bereits nach 400 m ein Brennen in den Waden, was ich bestimmt nicht noch 4,6 km so spüren möchte. Ich gestehe mir ein, dass Dagmar, die 2-3 mal pro Woche trainiert, ungefähr  einen halben Schritt schneller geht als ich. Ich versuche meinen eigenen Rhythmus zu finden und falle schnell ein Stück zurück. Ohhh, der erste Getränkestand. Ich bekomme ein Wasser gereicht, fühle mich toll und nehme es dankbar. Versuche zu trinken und kippe mir unfreiwillig einige Schlucke ins Dekollete. Handy geflutet. Toll. Egal jetzt. Den Rest schütte ich mir über den Rücken, das tut gut! Habe kurz ein schlechtes Gewissen weil ich den Plastikbecher den Helfern vor die Füße werfe. Aber die vor mir haben das auch alle so gemacht. Hat was von Wacken. Das Brennen in meinen Waden läßt nach. Sehr gut. Was ist das denn da vorne? Die Feuerwehr hat eine Dusche aufgebaut. Na das hat ja was. Es beflügelt mich und ich gehe einen Tacken schneller um baldmöglichst den kühlen Sprühnebel zu erreichen. "1 km" ist hier auf den Strassenrand gesprüht. Na wundervoll. 1/5 hätten wir dann schon mal. Und ab gehts durch das kühle Nass. Sehr angenehm. 3 Runden sind zu laufen. Ich freu mich schon, das nächste Mal hier vorbei zu kommen. Wenns denn dazu kommen sollte. Kurzfristig frage ich mich, wem ich hier mal wieder was beweisen möchte. Keine guten Gedanken für den Moment. Denn ich komme zu dem Schluss, dass ich überhaupt niemand was beweisen muss und spontan den Einkehrschwung zu McDonalds auf der gegenüberliegenden Strassenseite machen und mir einen großen Milkshake Erdbeer bestellen könnte, ohne dass es Konsequenzen hätte, außer vielleicht auf der Waage. Vor meinem inneren Auge sehe ich die kalte cremig-süße Flüssigkeit verführerisch in einen Pappbecher fliessen, ringe mit mir, als mich ein lautes "Sehr gut, Schnucki, weiter so!" aus meinen Tagträumen reisst. Verdammt. Mein Freund macht Fotos. Nix mit Erdbeershake. Tapfer grinse ich in die Kamera und schwenke nach rechts in die Straße, wo sich Start, Ziel, Bratwurststände und die Zeitnahme befinden. 15.48 h... 16 Minuten für eine Runde. 1/3 geschafft. Jeder der dort vorbeikommt erhält riesigen Applaus. Das motiviert. Das Läuferfeld sortiert sich. Mich überholen einige. Ich überhole zumindest einzelne. Und ich rechne, eigentlich mehr zur Ablenkung, dass ich eine Zeit von etwa 48 Minuten erreichen könnte, wenn ich so weiter walke. Unter 50 war mein Ziel. Wir sind die Cantina-Band! Dieselbe Runde noch mal. Und los! Ganz bald steht da 2 km. Wunderbar. Das sind quasi 2/5. Dummerweise kann ich das kürzen wie ich will - noch nicht die Hälfte. Ich nehme wieder den Plastikbecher am Getränkestand, versuche das diesmal etwas eleganter, naja. Ich singe gedanklich ein paar Powermetalsongs vor mich hin, weil ich blöderweise keinen ipod dabei habe, Dragonforce oder Edguy könnten mich jetzt motivieren. Rise of the morning glory beispielsweise. Der Gedanke an einen klaren kühlen Herbstmorgen läßt mich wehmütig werden. Mir ist so heiss. Zum Glück bin ich gleich wieder bei der Dusche. Das müsste die Hälfte sein. Wieder dieses goldene M vor meinen Augen. Lass mich zufrieden! Ich Anfänger habe entgegen dem, was ich irgendwann mal gelernt habe, schon nach ein paar hundert Metern die Arme nicht mehr enthusiastisch mitgeschwungen, sondern sie zur Energieersparnis schlaff neben dem Körper baumeln lassen. So sehen meine Finger auch aus. Wie kleine dicke Wiener Würstchen. Und so fühlen sie sich auch an. Sie brennen und pochen und ich schnappe mir einen Wasserbecher, um meine Finger hinein zu stecken. Toll Nicole. 2/3 erledigt, als ich an der applaudierenden Menge vorbei hechele. Beim nächsten Mal wenn ich hier bin werden die Endorphine in meinem Körper Purzelbäume schlagen. Ich drehe noch mal richtig auf als ich die Zeittafel sehe. 16.03 h. Irgendwo hab ich ne Minute gut gemacht. Noch mal! Einen Becher Wasser kippe ich mir über den Kopf. Es läuft in alle Ritzen - ich beginne meinen persönlichen Endspurt im Kopf. Ich brauch ein schnelles Lied von Dragonforce, was ich vor mich hinsummen kann. Through the fire and the flames fällt mir bei der Witterung spontan ein. Beim Sinnieren über den Text laufe ich wie von selbst. Ablenkung ist gut und hilft bei mir irgendwie besser, als mich mit allen Sinnen auf Hitze, Schmerz in Waden und Fingern und meinen Herzschag zu konzentrieren. Ich laufe ohne Pulsuhr, grundsätzlich. Das Ding attestiert mir jedesmal Herzinfarkte noch bevor ich richtig warm bin. Nur weil ich einen Ruhepuls von 84 habe... mir gehts gut damit.
Zwei Nordic-Walker verfolgen mich, ich lege einen Schritt zu. Nix da. 4 km. Nur noch diese Runde zu Ende. "On the blackest plains in hell's domain, we watch them as we go, in fire and pain, and once again we know..." genau, die Zeile hab ich gesucht. Mein Körper ist nass und heiss und nein- wir gehen NICHT zu Mc Donalds! Ein letztes Mal dieser Versuchung widerstanden und auf gehts in den Zieleinlauf. Ich werde wieder fotografiert... ob ich das Foto nachher sehen möchte? Ich bin mir nicht sicher! Mit wachsendem Ehrgeiz versuche ich noch ein bisschen was zu retten und komme bei 16.18 h ins Ziel. 46 Minuten. WOW! Geschafft. 4 Minuten schneller als geplant! Ich bekomme einen Tetrapack Wasser geschenkt und darf meine Startnummer wieder abgeben.  Mein Freund ist da, doch bevor ich mich entspannen kann, muss ich husch husch zum öffentlichen Klo. Man kann sich vorstellen welches Klima da herrscht. Als ich da sitze fange ich noch mal richtig an zu schwitzen und ich habe die Befürchtung, als Protoplasmapfütze im Klo am Giessener Brandplatz zu enden. Nach ein paar Minuten gehts wieder und ich habe nur einen Wunsch! Eis. Heim. Dusche. Bier! Ich bin stolz auf mich! 3. Platz von 10 in meiner Alterklasse. Und 53. von allen! Wundervoll.

PS: Der Muskelkater in den Schienbeinen am nächsten Tag war from Hell!

Donnerstag, 17. Mai 2012

Himmelfahrt...

Joa... meine Tochter ist heute früh mit eigenem Auto und Freund und meinem halben Hausrat nach Sheverdingen/NL abgereist... mein Freund kommt erst nachmittags, Tom hat anderweitig zu tun und ich hatte nach 5 Stunden Hausputz auch keine Lust mehr, weiter zu wischen. Also - das tun was man denkt, das man tun würde, wenn man Zeit hätte. Das Fahrrad steht im Flur (damit ich mich etwa 50 mal täglich dran erfreuen kann) und bevor ich jetzt Ausreden finde wie Wäsche waschen und ähnlich unwichtiges Zeug, werde ich mich losmachen. Radhose mit Polsterung - haben wir nicht. Radschuhe? Haben wir auch nicht. Funktionsjacke? Haben wir ebenfalls nicht. Ich habe Jeans, T-Shirt, Sweatjacke, Turnschuhe. Naja, wird auch gehen. Ein Rucksäckchen mit einem Müsliriegel, Portemonnaie ( oder wie das auch immer heutzutage geschrieben wird - n Geldbeutel halt), Schlüssel, Holunderblütenschorle in einer Fahrradflasche - und natürlich mein High-Tech-Handy mit meiner neuen komoot-App.
Erstes Ziel: Apfelweinfest, Steinbach, Auf dem Wiebel. Ohne Ziel geht nämlich gar nix. Und das ist der Grund, warum Laufen für mich schon mal gar nicht mehr in Frage kommt. Ich komm nämlich niemals so weit, dass es für ein lohnenswertes Ziel in der Umgebung reichen würde. Und laufen um des Laufens Willen?? Im Leben nicht! Ein sauer-Gespritzter und ein Handkäs mit Musik, wie es sich für echte Hessen gehört, werden mich motivieren, die böse Steigung hoch zu fahren. Und los gehts. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit - Gejammer beim bloßen Anblick eines Hügels - hab ich beschlossen einfach hoch zu fahren. Und oh Wunder - klappt :)
Wie geplant: Äbbelwoi abstürzen, Handkäs essen und bissi schwätzen.
Nächstes Ziel: Lich, Wiener Café. Die haben nämlich so leckeren selbstgemachten Kuchen.
Geht einigermaßen bergab. Ich geniesse! Sonne, Wind und Freiheit. Bin ganz alleine. Muss auf niemand warten. Und auf mich muss auch niemand warten ;)
Galaktisch - kein Parkplatzgesuche. Einfach Rad abstellen, Schloß dran, fertig!
Cappuccino :) und Kuchen. Eierlikörtorte :D
Und weiter Richtung Kloster Arnsburg. Dort mach ich nur ein kurzes Päuschen , ohne essen ;)
Und zum guten Schluss über Dorf-Güll nach Hause. Noch mal ein böser Berg ... aber auch den fahr ich einfach hoch! Das letzte Stück nach Garbenteich ist relativ eben und ich komme leicht angeschwitzt und leicht schnaufend zu Hause an. Genau richtig! 21,5 km. Spaß gehabt. Zufrieden!


Tour bei komoot.de



Sonntag, 13. Mai 2012

Erste Radtour


Danke der vielen Nachfragen, wie’s meinem Fahrradsattel-geplagten Hintern geht. Ist wieder heile ;)

Ich hatte ja nun dieses Wunderwerk der Fahrradtechnik spontan erworben und die Mechaniker halfen mir, es sanft und zart in den BMW zu laden… allerdings musste der Sattel, nachdem millimetergenau auf mich eingestellt, dafür wieder in die unterste Position geschoben werden. Wird schon, dachte ich mir. Ich fuhr nach Hause. Ein Kribbeln im Bauch. Ich hatte mich tatsächlich verliebt! Blick auf die Uhr… 17.45 h, der Tag ist noch lang! Zu Hause angekommen versuchte ich das Fahrrad wieder aus dem Kofferraum zu fädeln. Alleine völlig aussichtslos. Zum Glück kam ein wachsamer Nachbar nach 5 Minuten und bot mir seine Hilfe an. Allerdings klappte es auch mit dieser Hilfe nicht, so dass ich das Vorderrad nun doch ausbaute. Und wieder ein. Und den Sattel hoch. Was man als Frau nicht alles können muss. Der langen Rede kurzer Sinn… ich war schon vor der ersten Tour nass geschwitzt.

Aus den Tiefen meines Kleiderschrankes zauberte ich eine Radhose und Sportsneakersocken, ein frisches T-Shirt übergeworfen, Turnschuhe an und los! Draussen wars plötzlich recht windig… und es sah nach Regen aus… PAH - na und… ist ja bloß Wasser und das geht höchstens bis auf die Haut… Ich fuhr los! Hey, welch Gefühl von Freiheit, den Wind in den Haaren. Ohne Gepäck, nur mit einem Nylonbeutelchen mit Schlüssel und Geldbeutel unterwegs. Ich fuhr durchs Dorf Richtung Lich. Gleichzeitig mit mir kam auch der Platzregen auf dem Fahrradweg an. Ich trat fest in die Pedale, die dicken Regentropfen ignorierend, um dem bösen nassen Nordwind zu trotzen, bis der von mir scheinbar in der Eile nur halbherzig festgeschraubte Sattel 20 cm bis Anschlag  nach unten sackte… F***** ich hielt an, stieg ab. Werkzeug? Eher nicht… früher hatte man ja serienmäßig ein Täschchen mit Imbus, Schraubenschlüssel und Flickzeug am Fahrrad - was hatte ich? Einen Trinkflaschenhalter in mattschwarz, einen Tacho, der routinemäßig wichtige Statistiken ausspuckt, und ein Schloß, womit man eine Harley sichern könnte… aber leider keinen IKEA-Imbus-Schlüssel, der mich in dieser Situation hätte retten können, der lag zu Hause auf dem Schuhschränkchen. Blöd. Pech für Paul, dachte ich mir und fuhr eben im Stehen nach Lich. Sitzend sah nämlich aus wie Affe auf Schleifstein. Tropfnass und leicht angefrustet kam ich an der Eisdiele an. Bestellte aber guten Gewissens einen Joghurettebecher. Den hatte ich mir wohl verdient - zumal ich noch nicht wusste, wann und wie ich nach Hause kommen würde. Es regnete nämlich immer noch ziemlich stark.
Nachdem ich den Eisbecher seiner Bestimmung zugeführt hatte, begann ich in Ruhe zu überlegen. Der Dönerladen gegenüber sollte doch zum Reparieren der Fleisch-Grill-Spieße ein wenig Werkzeug dahaben … und so war es - J wäre ich nicht schon so satt gewesen, ich hätte ihm glatt einen Döner abgekauft vor Freude!

Und nicht nur das - es hört auch spontan auf zu regnen! So dass ich mich voller Enthusiasmus auf die ekelhaft langgezogene Steigung Richtung Heimat freute. Ich bezwinge Dich! Ohne Absteigen! Ohne Anhalten! Ich probierte auf diesem Weg sämtliche 24 Gänge aus, und in der Tat, es gab tatsächlich einen, der genau auf diese Steigung zu passen schien. Und so fuhr ich diese Strecke zum ersten mal, ohne dabei wie ein Rohrspatz zu schimpfen. Der Raps blühte und die Vögel zwitscherten und ich freute mich wie ein kleines Kind. Durchnäßt, geschwitzt, schlammbespritzt und zufrieden kam ich zu Hause an, wo ich den Abend mit einer großen Tasse Caro-Kaffee auf der Treppe vor dem Hexenhaus ausklingen liess.
Das war gut!

Donnerstag, 10. Mai 2012

Da bin ich mal wieder...


Vor lauter Aktivitäten komm ich kaum zum Schreiben :) 

Gestern war mir so nach Kuchen. Ich beendete meinen Arbeitstag gegen halb drei und fuhr Richtung Wieseck, um den Tortenkavalier auszuprobieren... der Kuchen war okay, das Ambiente mäßig (Leuchtstoffröhren, Industrieteppich und verwelkte Ficus-Benjamini-Blätter auf selbigem), man sah dem Laden die vorherige Bestimmung als Bankfiliale also noch deutlich an, das konnten auch die zusammengewürfelten 60er Jahre Möbel nicht retten. Ich trank zwischen etwa 20 Senioren meinen Latte Macchiato und fühlt mich unwohl. So hatte ich mir das dort nicht vorgestellt und ärgerte mich fast über die Apfelkuchenkalorien, die ich gegessen hatte. Schneller als für mich üblich war ich da wieder draussen und schlenderte noch eine Weile durch die Sonne und kam an einem Fahrradladen vorbei. Ich brauch ein Fahrrad. Jetzt. Heute. Nicht dass ich keins hätte. 15 Jahre alt, und - naja - es hat seine besten Jahre hinter sich... ich will was Tolles, was Neues, etwas zum mich reinverlieben... - und der Laden hat zu! Nicht mit mir! Es gibt ja noch mehr Fahrradläden in Giessen! Ab ins Auto und los... direkt vor dem nächsten Laden ist ein Parkplatz frei, ein Zeichen, ein Omen, nichts wie rein... und da steh ich... zwischen hunderten Fahrrädern... ich fühl mich überfordert. Zum Glück kommt ein Verkäufer und fragt, ob ich Beratung wünsche. Sehr freundlich. "Jo", sag ich, "besser wärs." Mh... ob ich denn etwa wüßte, wonach ich suche... "Nö... " "Nungut, Sie sehen nicht aus als würden Sie Strassenrennen fahren wollen!"  Ach - nich?! "Ich seh auch nich aus, als würde ich mich im Schlamm suhlen wollen!" "Okay, dann suchen wir wohl was dazwischen!" Schön. - nach diesem zarten Schlagabtausch präsentierte er mir direkt dieses feuerwehrrote Wunderwerk, in welches ich mich sofort verliebte. Um drei wußte ich noch nicht, dass ich ein Fahrrad brauche, um fünf wars mir! Und von der ersten Tour erzähl ich morgen! Ich kann nämlich jetzt nich mehr sitzen :~




Dienstag, 7. Februar 2012

Seltsamer Tag

Gestern hat mein bayerisches Super-Auto aus Kältegründen den Geist aufgegeben. Heute habe ich keine Termine... und bin zu Hause. Könnte gemütlich sein. Am Ofen... mein Holz liegt aber etwa 1 km entfernt, gut geschützt und getrocknet, leider hab ich zu Hause nur noch sterbliche Überreste meines alten Gartenzauns völlig ohne Brennwert, und ohne Auto und bei -16° seh ich gerade wenig Chancen, ein paar Scheite nach Hause zu transportieren. Okay... ich könnte mir Kaffee kochen. Ich pflege aber ziemlich viel Milch in den Kaffee zu tun und stelle fest - ops, letzte Tüte Milch...  Einkaufen gehen hatte ich schon eingeplant, dick eingepackt und mit Rucksack, aber ne Palette Milch wollte ich nicht durchs Dorf schleppen. Da ich gestern viel und lang gearbeitet habe, siehts hier ziemlich nach Hausarbeit aus. Und ich seh wenig Chancen, mich heute weiter als 1-2 km vom Kern des Chaos zu entfernen... also stürz ich mich kamikazemäßig ins Housekeeping... ein Tag autolose, terminfreie Mama sein... niemanden wo holen, niemanden wo hinbringen, nicht irgendwelchen spotanen Einfällen nachgeben... sehr sehr ungewohnt... mal sehen was der Tag so bringt!